Ratgeber für Pflaumensorten (Teil 4): Von Giganten und nordischen Schätzen
Ratgeber für Pflaumensorten (Teil 4): Robuste Giganten und süße Schätze aus Europa
Wenn deutsche Präzision auf osteuropäische Widerstandsfähigkeit trifft
Willkommen zum vierten Teil unserer Serie über Pflaumensorten. Diesmal begeben wir uns auf eine Reise von modernen deutschen Laboren bis hin zu den rauen Obstgärten Estlands und den sonnigen Hängen Rumäniens. Wir stellen sieben Sorten vor, die das Beste der europäischen Pomologie definieren – von geschmacklich konkurrenzlosen "Giganten" bis hin zu bescheidenen, aber unzerstörbaren nordischen Kultivaren.
Egal, ob Sie eine intensive moderne Anlage planen oder den idealen Baum für Ihren heimischen Bio-Garten suchen, diese Auswahl bietet Ihnen Inspiration. Lernen Sie Pflaumen kennen, die mit dem Scharka-Virus, Frost und Trockenheit fertig werden und Sie dabei mit einer Ernte beschenken, auf die Sie stolz sein können.
Übersicht der Sorten in diesem Teil:
- Deutsche Lizenzsorten: Haganta®, Haroma®
- Baltische frostharte Juwelen: Ave (Estland), Persikinė (Litauen)
- Rumänische robuste Kultivare: Carpatin, Diana, Pescăruș
1. Estnische Pflaume 'Ave'
'Ave' gilt als eine der wichtigsten und am meisten geschätzten Pflaumensorten in Estland. Sie wurde von Arthur und Eevi Jaama im Gartenbauforschungszentrum EMÜ in Polli durch die Kreuzung der Sorten 'Wilhelmine Späth' und 'Tartu kaunitar' gezüchtet. Der Baum wächst mittelstark bis stark und bildet eine elegante ovale Krone. Seit ihrer offiziellen Anerkennung im Jahr 1989 hat sie die Herzen der Anbauer im gesamten Baltikum gewonnen, vor allem dank ihrer hervorragenden Frostbeständigkeit, die herkömmliche westeuropäische Sorten bei weitem übertrifft.
Die Früchte reifen an der Wende von August zu September. Sie sind groß (30 – 55 g) und von rundlich-ovaler Form mit einer charakteristischen tiefen Furche. Die Schale hat eine wunderschöne rotviolette bis braunviolette Farbe, unter der sich ein mitteldichtes, grünlich-gelbes Fruchtfleisch verbirgt. Der Geschmack ist angenehm harmonisch, süß-säuerlich, wobei der Stein klein ist und sich sehr leicht vom Fruchtfleisch löst. 'Ave' ist hochproduktiv und zuverlässig – es wurden sogar Rekorderträge von über 50 kg von einem jungen, siebenjährigen Baum verzeichnet.
Schon gewusst? 'Ave' ist teilweise selbstfruchtbar, kann aber in Anwesenheit von Bestäubern wie 'Viktorija' oder 'Oda' eine geradezu verblüffende Menge an Früchten hervorbringen.
2. Rumänische Pflaume 'Carpatin'
Vom rumänischen Institut in Piteşti kommt 'Carpatin', eine frühe Sorte, die durch die Verbindung der Qualitäten der Kultivare 'Tuleu gras' und 'Early Rivers' entstanden ist. Der Baum zeichnet sich durch ein mittleres bis schwächeres Wachstum und eine pyramidale Krone aus, wodurch er wie geschaffen für moderne Pflanzungen mit höherer Baumdichte ist. Er tritt sehr früh in den Ertrag ein und zeichnet sich durch eine eiserne Regelmäßigkeit bei den Ernten aus.
Sie reift in der zweiten Julihälfte. Die Früchte sind groß (40 – 50 g), dunkelblau gefärbt mit einer feinen grauen Bereifung. Das Fruchtfleisch ist gelb-grün, mittelfest und sehr saftig. 'Carpatin' wird für ihren sehr feinen Geschmack mit einem idealen Verhältnis von Zucker und Säure geschätzt. Ein wichtiger Fakt für Anbauer ist, dass diese Sorte androsteril ist (keinen eigenen Pollen bildet), weshalb sie unbedingt einen Nachbarn in Form von Sorten wie 'Stanley' oder 'Silvia' benötigt.
3. Rumänische Pflaume 'Diana'
'Diana' gehört zu den absolut frühesten Sorten auf dem Markt und reift bereits in der ersten Julidekade. Diese rumänische Kreuzung aus 'Althanns Reneklode' und 'Early Rivers' bildet mittelgroße Bäume mit einer kugelförmigen Krone. Anbauer schätzen sie vor allem wegen ihrer hohen Frostbeständigkeit, einschließlich der späten Frühlingsfröste, die oft die Ernte anderer Sorten vernichten.
Die Früchte sind für diesen frühen Termin überraschend groß und erreichen ein Gewicht von bis zu 65 Gramm. Ihre Schale hat eine attraktive hellblaue bis violette Farbe mit starker Bereifung. Das fleischige und sehr saftige gelb-grüne Fruchtfleisch bietet einen harmonischen Geschmack, der 'Diana' zu einer der begehrtesten Tafelpflaumen zu Beginn der Saison macht. Sie ist teilweise selbstfruchtbar, für maximale Produktivität wird jedoch empfohlen, sie gemeinsam mit der Sorte 'Stanley' oder 'Agent' zu pflanzen.
4. Deutsche Pflaume 'Haganta®'
Wenn Sie eine Pflaume mit dem Prädikat "Extra" suchen, ist 'Haganta®' die richtige Wahl. Diese deutsche Lizenzsorte der Universität Hohenheim ist ein Synonym für gigantische Früchte und extreme Süße. Der Baum wächst mittelstark und bildet eine luftige Krone mit flachen Astabgangswinkeln, was Schnitt und Formung erheblich erleichtert. Es ist eine äußerst robuste Sorte, die sich auch hervorragend für den ökologischen Anbau eignet.
Die Früchte sind wahre Giganten – ihr durchschnittliches Gewicht liegt zwischen 60 und 80 g. Die dunkelblaue Schale mit starkem Wachsüberzug verbirgt ein festes, goldgelbes Fruchtfleisch. Womit 'Haganta®' jedoch wirklich beeindruckt, ist ihr Zuckergehalt, der routinemäßig 21° Brix überschreitet. Sie reift im September und ist dank ihrer Struktur nicht nur für den Frischverzehr hervorragend geeignet, sondern auch zum Backen von Kuchen, wobei sie ihre Form und ihren intensiven Geschmack beibehält.
Tipp für Feinschmecker: Dank der extrem hohen Süße gilt 'Haganta®' als eine der besten Dessertpflaumen der Gegenwart. Für maximale Haltbarkeit nach der Ernte empfehlen wir, den Stiel an der Frucht zu belassen.
5. Deutsche Pflaume 'Haroma®'
'Haroma®' ist ein weiteres erfolgreiches Ergebnis der deutschen Züchtung von Dr. Hartmann. Es ist eine mittelpäte Sorte, die vor allem Besitzer kleinerer Gärten durch ihren schwachen und sehr kompakten Wuchs überzeugt. Der Baum hat ein sehr gesundes, dunkelgrünes und glänzendes Laub, das dem Garten ein gesundes Aussehen verleiht. Eine ihrer wertvollsten Eigenschaften ist die Toleranz gegenüber dem Scharka-Virus (PPV).
Sie reift Ende September, kurz vor der traditionellen 'Hauszwetschge'. Die Früchte sind mittelgroß, oval und gleichmäßig dunkelblau. Das Fruchtfleisch ist bei Vollreife tief orange, fest und aromatisch. 'Haroma®' neigt zu einem außerordentlich hohen Fruchtansatz, weshalb eine Ausdünnung wichtig ist – Belohnung sind hochwertige, süße und platzfeste Früchte. Sie ist vollkommen selbstfruchtbar, was sie zum idealen Kandidaten für Einzelpflanzungen macht.
6. Rumänische Pflaume 'Pescăruș'
Der Name dieser Sorte bedeutet übersetzt "Möwe", und es handelt sich um eine hochgeschätzte rumänische Pflaume aus dem Jahr 1979. Der Baum wächst mittelstark bis stark und bildet eine rundliche Krone. Er ist ein typischer Vertreter traditioneller, robuster Pflaumen, die auch mit ungünstigen Bedingungen wie Winterfrösten oder Sommerdürren fertig werden. Sie blüht mittelpät, wodurch sie sich erfolgreich vor Spätfrühlingsfrösten schützt.
Sie reift in der zweiten Augusthälfte. Die Früchte sind groß (35 – 45 g), mit einer fast schwarzvioletten Schale und einer starken grauen Bereifung. Das Fruchtfleisch ist gelbgrün bis goldgelb, fest und saftig. Sie bietet einen angenehmen, ausgewogenen Geschmack mit intensivem Aroma, der typisch für alte rumänische Kultivare ist. Es ist eine vielseitig verwendbare Pflaume, ideal für die Herstellung von Kompotten, Marmeladen, aber dank ihres Aromas auch für die Zubereitung hochwertiger Destillate.
7. Litauische Pflaume 'Persikinė'
Unsere Liste wird durch eine alte litauische Sorte abgeschlossen, deren Name übersetzt "Pfirsichartige" bedeutet. Dieser Name ist kein Zufall – er beschreibt perfekt ihre einzigartige Färbung und ihr aromatisches Profil. Der Baum erreicht eine maximale Höhe von 4 Metern und bildet eine kompakte Krone. 'Persikinė' ist bekannt für ihren sehr frühen Ertragsbeginn; die ersten Früchte bringt sie oft schon im zweiten Jahr nach der Pflanzung.
Mitte August schmücken den Baum runde, gelblich-rosa Früchte mit einem feinen Wachsüberzug. Das feste gelbliche Fruchtfleisch ist sehr saftig, süß und trägt einen spezifischen Duft in sich. Der Stein löst sich sehr leicht vom Fruchtfleisch. Neben dem hervorragenden Geschmack und der Frosthärte zeichnet sich die Sorte auch durch eine gute Transportfähigkeit der Früchte aus, die unempfindlich gegen Druckstellen sind. Sie ist teilweise selbstfruchtbar und insgesamt sehr anspruchslos im Anbau.
Sortenvergleich (Teil 4)
| Sorte | Reifezeit | Fruchtgröße | Hauptvorteil | Bestäubung |
|---|---|---|---|---|
| Diana | Sehr früh (Juli) | 60 – 65 g | Frühe Reife & Frosthärte | Teilweise selbstfruchtbar |
| Carpatin | Früh (Juli) | 40 – 50 g | Für dichte Pflanzungen | Fremdbefruchtend |
| Persikinė | Mittelfrüh (August) | 35 – 45 g | Pfirsicharoma | Teilweise selbstfruchtbar |
| Ave | Mittelfrüh (August) | 30 – 55 g | Extreme Frosthärte | Teilweise selbstfruchtbar |
| Pescăruș | Mittelspät (August) | 35 – 45 g | Trockenheitsresistenz | Fremdbefruchtend |
| Haganta® | Spät (September) | 60 – 80 g | Gigantische & süße Früchte | Teilweise selbstfruchtbar |
| Haroma® | Spät (September) | 30 – 40 g | Scharka-Toleranz | Selbstfruchtbar |
Fazit
Der vierte Teil unseres Ratgebers hat uns erneut bestätigt, dass die Vielfalt der europäischen Pflaumen faszinierend ist. Ob Sie nun die nordische Geschichte der estnischen Ave, die rumänische Zähigkeit der Sorte Pescăruș oder die deutsche Perfektion der "Zuckerbombe" Haganta® angesprochen hat – jede dieser Sorten repräsentiert jahrelange Züchtungsbemühungen mit Fokus auf Qualität und Gesundheit. Wir hoffen, dass diese Auswahl Ihnen bei der Entscheidung hilft, welcher dieser Bäume der neue Stolz Ihres Obstgartens wird.
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